hobo’s ende

fluchend spuckte er einen seiner letzten zähne
aus dem mund
wischte sich mit der hand über das
bärtige gesicht und sprang
von der güterrampe runter auf den steinigen
boden

was er nicht hätte tun sollen fiel er doch
mit dem ganzen gewicht seiner pagage
auf den arsch

verdammt

eines seiner lieblingswörter in letzter
zeit zumindest seit er wieder ohne dach
über’m kopfe war und nicht gerne in den
asylen entlang seiner strecke auf dem
boden schlief zusammen mit ein paar
kleinen tierchen

ächzend stemmte er sich wieder auf
die beine
spreizte seine finger
schloss sie wieder zur faust
nun nichts gebrochen
wäre auch zu dumm gewesen
besass er nur noch wenig geld vom
letzten job den er angenommen
hatte

und
niemand würde die arztrechnung für
ihn bezahlen
selbst als er noch ne kasse hatte war’s nicht
einfach gewesen auch wenn die stadt nach
einer gewissen zeit die kosten übernommen
hätte

er zog sich die hose hoch und stapfte etwas
mürrisch den weg entlang
hinter einer mauer leuchtete von fern auch
schon die stadt auf die er nun zumarschierte
und die ausladend genug am fusse des jura
gebirges lag

am see kannte er ein paar plätze die gut genug
waren für ein oder zwei nächte draussen unter
dem freien himmel

nur war jetzt gerade winter

in dieser kleinen stadt ist es
wie in einer grossen
kein geld
kein glück
etwas das selbst den härtesten burschen
und die härteste frau aus den schuhen
hauen konnte

nur war er kein harter bursche sondern
eher der verschlagene einer der immer ein
paar tricks wenn möglich unfaire auf lager hatte
im richtigen moment zu greifen oder mit dem
allseits beliebten hämmerchen zuschlagen
das geld dass die leute beim morgentlichen
zeitungskauf zurück liessen
es gab eine menge dinge die man machen
konnte

ein bisschen sozialisieren wie man ihm das mal
einer erklärt hatte
so ein ganz schlauer der viele ganz schlaue worte
wusste und noch mehr schlaue bücher die er
angeblich noch immer las

so sass er in einem gut geheitzten coffeeshop und
bewunderte deren feines grünes logo mit der kaffee
tasse drauf
ah hier kann man eine weile rumsitzen und sich die
strasse angucken ohne dass jemand sich daran stöhrt
ausser natürlich die beiden auf der gegenüber liegenden
seite die sich ziemlich zentral vor einem grossen
schaufenster postiert hatten
genau so wie’s sich’s für die greifer ziemt

unauffällig auffallen
mit dem rücken zum schaufenster stehen
körperhaltung wie alle andren ob bei der gestapo
der tscheka oder sonst was

wahrscheinlich suchten sie jemanden oder sie waren
einfach
nur ärsche

was soll’s

er nahm einen schluck heissen kaffees während sein blick
auf eine alte fiel die ihren kleinen handwagen mit der linken
mitzog in der rechten ihren gestock hielt und fleissig durch
den schnee matsch stapfte
sie erinnerte ihn an seine eigene mutter die ihm bevor sie
ihren abgang machte einige schwierigkeiten einbrachte

sie hatte als gut neunzigjährige die angewohnheit in
ihrem lieblings restaurant zeitungen mitgehen zu lassen
die brauchen sie eh nicht mehr und sind ja alle
schon gelesen

ja ja nur so schnell lasen die leute gar nicht
in diesem restaurant mit dem klingenden namen tibits

der boss von dem laden mochte das gar nicht das sie
sich einfach bediente
das brachte ihn in ein dilemma
einerseits fand er es harmlos wenn sie sich ein wenig
literatur aneignete
blick lesen bildet
andererseits geiferten die leute über die alte die sich
da einfach bediente

also musste sie aufhören damit oder es gab lokalverbot

sie hörte dann auf damit
ein jahr später war sie tot

sie verschwand genauso wie die alte mit ihrem handwagen
genauso wie der kaffee in seiner tasse

und dass
das war gar nicht gut

denn ohne seinen kaffee verfiel er in einen
zustand den andere als leicht nervös einstuften
also etwas sehr unangenehmes
hastig griff er in eine seiner hosentaschen
die mit den löchern
hier nichts vielleicht die andere
ah ein paar münzen
wo waren die verdammten noten
er griff sich an alle taschen die an seinen
kleidern angenäht waren auch die zusätzlichen

ja hier waren sie zusammen mit der roten karte und
andren dingen

er liess sich noch einmal einen geben und setzte sich
wieder an seinen fensterplatz
draussen ging’s immer wilder zu
mit dem schnee

nun im sommer war die stadt ein ganz gemütlicher
ort
mit seinem see mit den leuten und den hunden
den katzen den vögeln

aber jetzt war sie nur hobo ‘s ende

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